Auf ein Wort

Pastorin Almut Berndt, St.-Petri Kirchengemeinde Langen

Aufbrechen und innehalten

Morgens um halb sieben an einem Montag im August. Erstmal Kaffee, denke ich, und mache mich auf den Weg in die Küche. Aber etwas ist anders als sonst. Aufgebrachtes Möwengeschrei dringt in meine noch müden Ohren. Ein Blick durch das obere Flurfenster zeigt die Ursache dieser ungewöhnlichen Geräuschkulisse:

Zwei Störche haben sich auf der Kirchturmspitze niedergelassen. Einer sitzt oben auf dem Kreuz – wild umkreist von einer Schar laut schreiender Möwen.
„Das ist eigentlich unser Platz!“, scheinen sie zu rufen.

Eine Viertelstunde später ist wieder alles „normal“. Die Störche verschwunden, die Möwen wieder auf ihrem angestammten Platz und still. Und ich – sitze vor meiner Tasse Kaffee.

Storch auf dem Kreuz

Meine Gedanken sind noch bei den Störchen. Ob sie nun aufgebrochen sind auf ihren Weg in den Süden?
Eine lange Reise liegt dann vor ihnen. Und so machen sie nochmal Pause – ausgerechnet auf dem Kirchturm-Kreuz.

Eigentlich eine schöne Idee. Aufbrechen, sich auf den Weg machen. Immer wieder.
Und einen Zwischenstopp einlegen – am Kreuz. Innehalten. An Jesus denken. An das, was er gesagt hat. An das, was er getan hat.

Vielleicht fragen: Was würde er an meiner Stelle jetzt sagen und tun? Vielleicht Kraft tanken, um das Geschrei und das Gerede manch anderer aushalten, die sich in ihrer kleinen Welt gestört fühlen.

Zwischenstopp einlegen am Kreuz – dazu muss man kein Storch sein.

Ihre Pastorin Almut Berndt