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Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat. (Dtn 26,11) 

„Du sollst fröhlich sein.“ In unseren Ohren klingt dieser Satz aus dem 5. Buch Mose (Dtn 26,11) zunächst nach einem Paradoxon, vielleicht sogar nach einer Überforderung. Kann man Freude befehlen? Wir erleben Fröhlichkeit meist als ein flüchtiges Gefühl, das uns überkommt – oder eben nicht. Doch im biblischen Kontext ist diese Aufforderung kein emotionales Diktat, sondern eine bewusste Haltung und eine ethische Orientierung.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wir sitzen abends nach einem langen Arbeitstag am Esstisch. Vielleicht gab es Konflikte im Büro, die Nachrichten im Radio waren bedrückend, und die Müdigkeit ist greifbar.  In diesem Moment ist die Entscheidung  für die Fröhlichkeit kein Ausblenden der Probleme. Es ist der bewusste Entschluss,den Blick auf das zu richten, was jetzt gerade trägt: das geteilte Brot, das Gespräch mit dem Partner oder das Kind, das begeistert von einer Kleinigkeit erzählt. Biblisch gesprochen ist das die Anerkennung des „Guten“. Es bedeutet, die eigene Existenz und die kleinen Sicherheiten nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten, sondern als ein Geschenk, das uns – trotz aller Widrigkeiten – in diesem Moment gegeben ist.

In einer Welt, die von Krisenszenarien und Leistungsdruck geprägt ist, wirkt diese Aufforderung fast wie ein subversiver Akt. Wir sind aufgerufen, den Fokus weg von dem zu lenken, was uns fehlt, und hin zu dem, was bereits da ist. Es geht hier nicht um einen naiven Optimismus.

Vielmehr ist es die Aufforderung zur Anerkennung der Unverfügbarkeit des Lebens. Das Gute – unsere Beziehungen, unsere Sicherheit, die Natur – ist kein verdienstvolles  igentum, sondern eine Basis, die ns zur Dankbarkeit und damit auch zur Verantwortung verpflichtet.

Der Bibeltext spricht davon, dass die Freude dir und „deiner Familie“ gilt. Im historischen Kontext schloss dies ausdrücklich die Schutzbedürftigen und die Fremden mit ein. Eine Freude, die nur sich selbst  eiert und sich abschottet, verfehlt ihren Kern. Wenn wir am Esstisch sitzen und das Gute genießen, schwingt darin die Frage mit: Wie wird diese Kraft im Alltag wirksam? Eine reflektierte Frömmigkeit übersetzt die Dankbarkeit für das eigene Privileg in solidarisches Handeln.

Sich zu freuen ist eine geistliche Übung. Wir achten das Leben nicht durch Griesgrämigkeit, sondern durch die bewusste Bejahung des Guten, auch inmitten einer zerbrechlichen Welt. Lassen wir uns dazu herausfordern, diese Aufforderung als Befreiung zu verstehen: Wir dürfen das, was uns trägt, feiern, bewahren und mit denen teilen, die gerade weniger Grund zur Freude haben.

Torsten Nolting-Bösemann

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